Unfallversicherung – Progression

Vom Invaliditätsgrad zur Invaliditätsleistung. Klicken Sie sich schrittweise durch den Rechenweg.

Situation

Sie sind in der Leistungsabteilung Unfallversicherung der prxms Versicherung AG eingesetzt. Sie erhalten folgenden Arztbericht zur Bearbeitung:

Arztbericht

Für die Patientin Nina Rasch liegt nun die abschließende ärztliche Beurteilung vor.

Folgende Körperteile sind vollständig von den Unfallfolgen betroffen:
- Bein über der Mitte des Oberschenkels
- Milz
Auszug aus dem Vertragsspiegel:
Versicherte PersonNina Rasch
TarifT 30
Vertragslaufzeit01.04.2024 – 31.03.2027
Prämienkontoausgeglichen
Invaliditätsleistung VS150.000,00 €
ProgressionU 350
Aufgabe

Berechnen Sie die Invaliditätsleistung!

Hinweis

Dies ist eine beispielhafte Darstellung. Sie deckt nicht alle möglichen Fälle und prämienrelevanten Merkmale ab.

1
Invaliditätsgrad nach der Gliedertaxe
Bein 70 %, Milz 10 %

Die Gliedertaxe steht in den Versicherungsbedingungen und gibt für jedes Körperteil einen festen Prozentsatz an. Sie fragt nicht danach, wie stark ein Mensch im Beruf eingeschränkt ist – der Wert ist vereinbart, nicht verhandelt.

Bein über der Mitte des Oberschenkels: 70 %
Milz: 10 %

Sind mehrere Körperteile betroffen, werden die Prozentsätze addiert:
70 % + 10 % = 80 %

Invaliditätsgrad: 80 %
2
Deckelung bei 100 % prüfen
Mehr als der ganze Mensch geht nicht

Die Summe aus der Gliedertaxe kann über 100 % hinausgehen – etwa Hand 55 % und Auge 50 % ergeben rechnerisch 105 %. Der Invaliditätsgrad wird dann auf 100 % begrenzt.

Hier sind es 80 %, die Deckelung greift also nicht. Wer sie im Ernstfall übersieht, rechnet mit einem zu hohen Grad weiter und kommt auf eine zu hohe Leistung.

80 % liegen unter der Grenze, es bleibt bei 80 %
3
Die Progressionsstaffel verstehen
drei Stufen, drei Faktoren

Ohne Progression wäre die Leistung schlicht der Invaliditätsgrad mal Versicherungssumme. Die Progression bewertet schwere Schäden höher: Je höher der Invaliditätsgrad, desto stärker der Faktor. Die Staffel gilt immer stufenweise, nicht auf den ganzen Grad.

Erste Stufe: 1 % bis 25 %
Zweite Stufe: 26 % bis 50 %
Dritte Stufe: 51 % bis 100 %

Die Faktoren je Progression:
U 225: 1, 2 und 3
U 350: 1, 3 und 5
U 500: 1, 5 und 7

Daher die Namen: Bei einem Invaliditätsgrad von 100 % ergibt U 225 genau 225 %, U 350 genau 350 % und U 500 genau 500 % Leistungsprozentsatz.

Hier gilt U 350, also die Faktoren 1, 3 und 5
4
Die Stufen einzeln rechnen und addieren
80 % Invaliditätsgrad, U 350

Erste Stufe – die ersten 25 %:
25 % × 1 = 25 %

Zweite Stufe – von 26 % bis 50 %, also weitere 25 %:
25 % × 3 = 75 %

Dritte Stufe – von 51 % bis 80 %, also 30 %:
30 % × 5 = 150 %

Addiert: 25 % + 75 % + 150 % = 250 %

Ein häufiger Fehler ist, den ganzen Grad mit dem höchsten Faktor zu multiplizieren: 80 % × 5 wären 400 % – die unteren Stufen behalten aber ihre eigenen Faktoren.

Leistungsprozentsatz: 250 %
5
Invaliditätsleistung berechnen
250 % von 150.000,00 €

Der Leistungsprozentsatz wird auf die Versicherungssumme angewendet:
250 % von 150.000,00 € = 375.000,00 €

Die Leistung liegt über der Versicherungssumme. Genau dafür ist die Progression da: Ein schwerer Dauerschaden kostet mehr als die vereinbarte Summe abbilden würde.

Invaliditätsleistung: 375.000,00 €